#15 – Ein Wasserfall, eine Fika und der langsame Abschied von Schweden

Veröffentlicht am 22. Oktober 2026 um 09:54

Hej då, Vimmerby – jetzt beginnt unsere Rückreise

Nach unseren wunderschönen Tagen in Vimmerby hieß es für uns Abschied nehmen. Hinter uns lagen unvergessliche Erlebnisse in Astrid Lindgrens Värld, ein Besuch in ihrem Elternhaus in Näs und jede Menge Erinnerungen, die uns wohl noch lange begleiten werden.
Doch diesmal fühlte sich die Weiterfahrt anders an.
Bisher bedeutete jeder Ortswechsel ein neues Abenteuer, ein weiteres Ziel und noch mehr von diesem wunderbaren Land, das darauf wartete, von uns entdeckt zu werden.

Diesmal wussten wir: Mit unserer Abfahrt aus Vimmerby begann die Rückreise.

Und ganz ehrlich? Ein bisschen wehmütig waren wir schon.
So lange hatten wir uns auf diesen Urlaub gefreut, so viel geplant, organisiert und vorbereitet. Und nun sollten tatsächlich schon die letzten Tage in Schweden angebrochen sein?
Aber noch waren wir nicht zu Hause!
Drei Nächte lagen noch vor uns. Zwei davon wollten wir in Gränna verbringen, bevor es für eine letzte Übernachtung weiter in Richtung Malmö ging.
Also machten wir unsere Kleine Freiheit wieder startklar, verstauten alles und nahmen die nächste Etappe in Angriff.

Unser Ziel war Gränna, ein kleines Städtchen am Vätternsee, das vor allem für seine berühmten rot-weißen Zuckerstangen bekannt ist.
Doch bevor wir dort ankamen, hielt Schweden noch eine Überraschung für uns bereit.
Und die stand ursprünglich überhaupt nicht auf unserem Reiseplan.

Stalpet – ein Zufallsfund in Aneby 💦

Eigentlich waren wir auf dem direkten Weg nach Gränna. Die Strecke führte uns durch die herrliche Landschaft Smålands, vorbei an kleinen Ortschaften, Wäldern und der typisch schwedischen Natur, von der wir einfach nicht genug bekommen konnten.
Ganz zufällig entdeckten wir in Aneby den Wasserfall Stalpet.
Und genau das lieben wir am Reisen mit unserer Kleinen Freiheit: Wenn uns etwas interessiert, halten wir einfach an und schauen nach!

Was wir zunächst gar nicht wussten: Der Stalpet gilt mit seinen rund 20 Metern Fallhöhe als höchster Wasserfall Südschwedens!
Der Fluss Svartån bahnt sich hier seinen Weg durch die Landschaft, bevor er plötzlich über eine steile Felskante in eine tiefe Schlucht stürzt.
Natürlich wollten wir uns dieses Naturschauspiel genauer ansehen.
Über mehrere Stufen führte uns ein kleiner Weg hinunter. Mit jedem Schritt veränderte sich der Blick auf die Felsen und das herabstürzende Wasser.
Unten angekommen, konnten wir den Stalpet aus einer völlig anderen Perspektive betrachten.
Schon beeindruckend, welche Naturschätze dieses Land zu bieten hat!

Dabei war unser Besuch keine große Wanderung. Eher ein kurzer Spaziergang, etwas Bewegung nach der Fahrt und die Gelegenheit, einen weiteren besonderen Ort kennenzulernen.
Kein Ausflug den wir lange geplant hatten, keine Eintrittskarten, kein Zeitdruck.
Einfach anhalten, aussteigen und entdecken.

Manchmal sind eben die schönsten Erlebnisse genau die, die auf keinem Reiseplan stehen.

Eine Fika darf natürlich nicht fehlen! ☕

Nach unserem kleinen Spaziergang entdeckten wir direkt beim Wasserfall das gemütliche Stalpets Café och Hantverk.
Neben einer typisch schwedischen Fika gab es dort auch einen kleinen Laden mit allerlei handgefertigten Dingen zu entdecken.
Solche liebevoll gestalteten Orte haben uns während unserer Reise immer wieder begeistert.

So wurde aus einem spontanen Halt am Straßenrand eine wunderbare Mischung aus Natur, schwedischer Gemütlichkeit und einer kleinen Auszeit vom Unterwegssein.

Anschließend setzten wir unsere Fahrt nach Gränna fort.
Dort wartete nicht nur eine hübsche Stadt auf uns, sondern auch ein Campingplatz, über den wir im Vorfeld schon einiges gehört hatten.

Der Marina di Venezia von Schweden sollte es angeblich sein.

Na, da waren wir gespannt! 😅

First Camp Gränna – der Marina di Venezia von Schweden? 🏕️

Für die nächsten zwei Nächte hatten wir einen Stellplatz auf dem First Camp Gränna gebucht.
Nach dem Vergleich mit dem berühmten Marina di Venezia waren unsere Erwartungen natürlich entsprechend hoch.
Was wir uns darunter vorstellten? Vielleicht eine besonders gepflegte Anlage, ein bisschen Urlaubsflair und dieses gewisse Etwas, das einen Campingplatz besonders macht.
Was uns tatsächlich erwartete, war allerdings eine andere Geschichte.

Willkommen? Irgendwie nicht so richtig …

Wir erreichten den Platz während der Mittagspause. Eigentlich sollte die Schranke zu dieser Zeit geschlossen sein, doch zu unserer Überraschung stand sie offen.
Gerhard überlegte nicht lange. Schließlich kannten wir unsere Platznummer bereits. Also fuhr er kurzerhand durch und steuerte unseren Stellplatz an.
Dort wurden wir erst einmal herzlich begrüßt.
Allerdings nicht von den Mitarbeitern, sondern von unseren deutschen Nachbarn! Sie erklärten uns auch gleich, wie das mit dem Strom funktionierte.
Strom? Ja, den hatten wir gebucht.
Aber wo war eigentlich der Schlüssel für den Stromkasten?

Also machten wir uns auf den Weg zur Rezeption.

Schon unterwegs fiel uns auf, dass die Anlage ziemlich lieblos wirkte. Kein Baum, kein Strauch, kaum etwas, das uns auf Anhieb besonders einladend erschien.
An der Rezeption angekommen, wollten wir endlich einchecken.
Doch dazu kamen wir gar nicht.
Noch bevor wir mit jemandem sprechen konnten, entdeckten wir eine Box mit fein säuberlich vorbereiteten Umschlägen für sämtliche Anreisen des Tages. Jeder einzelne war mit dem vollständigen Namen der jeweiligen Gäste beschriftet.
Aha! So funktioniert das hier also.
Wir fanden unseren Umschlag und siehe da: Es war tatsächlich alles drin!
Informationen über den Campingplatz, ein Ausflugsheft und – Trommelwirbel – unser Stromschlüssel!

Na also. Strom gerettet, Wohnmobil versorgt, alles bestens.
Zumindest organisatorisch.

Adventure Golf – gebucht, aber bitte selbst daran denken!

Am Nachmittag wollten wir eine Runde Adventure Golf spielen. Das hatten wir bereits bei unserer Buchung mit dazugebucht.
Und tatsächlich trafen wir nun auch endlich auf Mitarbeiter an der Rezeption.
Leider war diese erste persönliche Begegnung nicht gerade das, was wir uns unter einem herzlichen Empfang vorgestellt hatten.
Die Mitarbeiter wirkten auf uns ziemlich unfreundlich. Und hätten wir nicht selbst darauf hingewiesen, dass unser Adventure Golf bereits bezahlt war, hätten wir offenbar noch einmal dafür bezahlt.
Gut, dass wir aufgepasst hatten!
Ein ähnliches Erlebnis hatten wir später beim Thema Waschmaschinen.
Wir ergatterten noch die letzte Waschmöglichkeit des Tages. Falls wir den Schlüssel nicht mehr vor Rezeptionsschluss zurückbringen könnten, sollten wir ihn einfach einwerfen.
Praktisch? Durchaus.
Besonders herzlich? Eher nicht.

Versteht uns nicht falsch: Wir brauchen keinen roten Teppich, kein Begrüßungsgetränk und auch niemanden, der uns persönlich zum Stellplatz begleitet.
Aber ein freundliches Wort, ein Lächeln oder einfach das Gefühl, dass man sich über seine Gäste freut, macht für uns einen Unterschied.
Gerade nach all den schönen Begegnungen auf unseren bisherigen Campingplätzen fiel uns dieser Kontrast auf.
Vielleicht hatten wir einfach einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt. Trotzdem entstand bei uns der Eindruck, dass hier vieles nach dem Motto funktionierte:

Die Gäste kommen sowieso. Schließlich sind wir in Gränna, einem beliebten Touristenort.

Ob das tatsächlich die Einstellung der Mitarbeiter war, wissen wir natürlich nicht. Aber genau so kam es bei uns an. Und das fanden wir schade, denn für uns sind es oft die Menschen, die einen Urlaubsort besonders machen.
Während wir Erwachsenen mit unseren ersten Eindrücken noch etwas haderten, sahen Ronja und Lotta die Sache natürlich völlig anders.

Denn was braucht ein richtig guter Campingplatz aus Kindersicht?

Richtig!

Ein Hüpfkissen!

 

 

Und genau das gab es hier.
Damit war für unsere beiden Mädels eigentlich schon alles klar: Der Platz war super!
So einfach kann das manchmal sein.
Wir nahmen inzwischen das Adventure Golf genauer unter die Lupe.
Und eines muss man wirklich sagen: Die Anlage war richtig toll gestaltet!
Verschiedene Bahnen, ein durchdachtes Konzept und vor allem das Element Wasser, das offenbar eine wichtige Rolle spielte.
Nur gab es da ein kleines Problem.

Es floss kein Wasser.

Ausgerechnet bei einer Adventure-Golf-Anlage, deren Gestaltung darauf aufbaute!
Das war schon etwas enttäuschend.
Leider blieb es nicht dabei. Bei genauerem Hinsehen entdeckten wir an vielen Stellen Schmutz und ungepflegte Ecken.
Hier lag Dreck, dort wirkte etwas schmuddelig. Man hatte den Eindruck, dass sich schon länger niemand mehr richtig um die Pflege gekümmert hatte.
Dabei hätte dieser Bereich wirklich Potenzial gehabt!
Mit funktionierenden Wasserelementen und etwas mehr Aufmerksamkeit wäre das Adventure Golf sicherlich ein echtes Highlight gewesen.

So zeigte sich wieder einmal, wie unterschiedlich Kinder und Erwachsene einen Urlaubsort wahrnehmen können.

Ronja und Lotta: Hüpfkissen vorhanden, Campingplatz bestanden!

Wir Erwachsenen: Da wäre noch ein bisschen Luft nach oben. 

Ein Stellplatz mit wenig Privatsphäre

Auch abseits des Adventure Golfs konnte uns das Gelände nicht wirklich überzeugen.
Vieles wirkte vernachlässigt, und die gepflegte, gemütliche Atmosphäre, die wir von anderen Stationen unserer Reise kannten, vermissten wir hier.
Besonders unser eigener Stellplatz ließ zu wünschen übrig.
Wir standen direkt an einem Spazierweg, auf dem jederzeit Menschen vorbeilaufen konnten. Eine Abgrenzung oder einen Zaun gab es nicht.
Natürlich muss nicht jeder Campingplatz vollständig eingezäunt sein. Aber ein wenig Privatsphäre hätten wir uns schon gewünscht.
Gerade wenn man mit zwei Kindern und einem Hund unterwegs ist, achtet man auf solche Dinge vielleicht etwas genauer.
Unsere beiden Mädels störte das alles herzlich wenig.

Brötchen zum Frühstück? Heute leider nicht! 🥖

Bevor wir euch von unserem ersten Abend in Gränna erzählen, müssen wir noch eine kleine Geschichte loswerden. Eine, die sich zwar erst an unserem Abreisetag ereignete, aber wunderbar zu unserem bisherigen Eindruck vom Campingplatz passt.
Denn offenbar hatte das First Camp Gränna noch eine letzte Überraschung für uns parat.

Am Morgen unserer Abreise wollte Gerhard noch schnell frische Brötchen für unser Frühstück holen.
Es war ungefähr acht Uhr.
Eigentlich keine besonders ungewöhnliche Zeit, um auf einem Campingplatz Brötchen kaufen zu wollen, oder?
Doch vor Ort erwartete ihn ein Zettel an der Tür.
Sinngemäß stand darauf, dass die Mitarbeiter am Vortag ihre Saisonkräfte verabschiedet hatten und die Rezeption deshalb erst um 11 Uhr wieder besetzt sein würde.
Und für alle, die vorher abreisen wollten?
Schlüssel einfach in den Kasten werfen.
Na dann. 😅
Natürlich dürfen auch Campingplatzmitarbeiter feiern und ihre Saison gemeinsam ausklingen lassen. Das gönnen wir jedem von Herzen!
Aber als Gast hätten wir uns gewünscht, dass der Betrieb trotzdem entsprechend organisiert ist oder man zumindest rechtzeitig darüber informiert wird.
Gerade bei einem Platz, der im Vorfeld so hohe Erwartungen geweckt hatte.
Und so blieb Gerhards morgendlicher Brötchenausflug leider erfolglos.

Unser Fazit zum First Camp Gränna

War wirklich alles schlecht? Nein, natürlich nicht.
Ronja und Lotta liebten das Hüpfkissen, die Adventure-Golf-Anlage war grundsätzlich schön gestaltet und der Check-in über die vorbereiteten Umschläge funktionierte unkompliziert.
Aber uns fehlte etwas, das man weder buchen noch durch eine besonders große Ausstattung ersetzen kann:

Das Gefühl, willkommen zu sein.

Vielleicht waren unsere Erwartungen durch den Vergleich mit dem Marina di Venezia zu hoch. Möglicherweise hatten wir auch einfach einen ungünstigen Zeitpunkt gegen Ende der Saison erwischt.
Dennoch blieb für uns der Eindruck eines Campingplatzes, der zwar seinen Zweck erfüllte, aber wenig Herzlichkeit ausstrahlte.
Auf unserer Schwedenreise hatten wir schließlich erlebt, dass es gar nicht viel braucht, um Gästen einen wunderbaren Aufenthalt zu ermöglichen.
Manchmal genügen schon ein freundliches Lächeln, ein gepflegter Stellplatz und ein wenig Aufmerksamkeit.

Für Ronja und Lotta war der Campingplatz dank Hüpfkissen ein voller Erfolg. Für uns Erwachsene wird er wohl eher nicht als Lieblingsplatz in Erinnerung bleiben. 😉

Und damit schließen wir das Kapitel First Camp Gränna.
Denn schließlich waren wir nicht wegen eines Campingplatzes hierhergekommen!
Gränna steht für so viel mehr...

Ein Abend am Hafen von Gränna ⚓

Nach diesem ereignisreichen Tag wollten wir nur noch eines: ein bisschen Ruhe.
Also machten wir uns auf den Weg zum Hafen.
Dort beobachteten wir die Fähre, die zwischen Gränna und der Insel Visingsö im Vätternsee verkehrt, und genossen die Atmosphäre am Wasser.
Einfach dastehen, den Schiffen zusehen und einmal nichts weiter vorhaben müssen.
Das tat gut.
Schließlich hatten wir an diesem Tag schon einiges erlebt: den wehmütigen Abschied von Vimmerby, den überraschenden Wasserfall Stalpet, eine gemütliche Fika und unsere etwas ernüchternde Ankunft auf dem Campingplatz.
Zurück bei unserer Kleinen Freiheit stand noch eine alltägliche Aufgabe auf dem Programm: Wäschewaschen!
Ja, auch im Urlaub verschwindet die Schmutzwäsche leider nicht von allein. Und mit zwei Kindern kommt da bekanntlich einiges zusammen. 
Danach war für uns Feierabend.
Wir waren müde, voller Eindrücke und freuten uns auf den nächsten Tag.

Denn den wollten wir ganz bewusst der Stadt Gränna widmen.

Und wie geht es weiter?

Auch wenn uns der angeblich beste Campingplatz Schwedens nicht gerade vom Hocker gehauen hatte, wollten wir uns davon unsere Zeit in Gränna ganz bestimmt nicht verderben lassen.
Denn die kleine Stadt am Vätternsee hatte noch einiges zu bieten: berühmte rot-weiße Zuckerstangen, spannende Polargeschichte und jede Menge schwedischen Charme.

Und eines können wir euch jetzt schon verraten:

Gränna selbst hat uns deutlich besser gefallen als unser Campingplatz! 

Aber davon erzählen wir euch in Blog #16 – Gränna: Zuckerstangen, Polargeschichte und ein bisschen Abschiedsschmerz. ❤️

 

 

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