Nach unserem Besuch in Katthult ging es endlich weiter nach Vimmerby – und damit mitten hinein in die Welt von Astrid Lindgren.
Am späten Nachmittag erreichten wir unseren Stellplatz direkt vor Astrid Lindgrens Värld. Für diesen Tag hatten wir eigentlich nichts mehr geplant. Einfach ankommen, eine Runde drehen und den restlichen Nachmittag gemütlich ausklingen lassen.
Also machten wir uns erst einmal auf den Weg durch den angrenzenden Ferienpark und schauten uns die wirklich schön angelegte Anlage an. Dabei entdeckten wir etwas, das unsere gemütlichen Nachmittagspläne ziemlich schnell über den Haufen warf:
Astrid Lindgrens Näs lag praktisch direkt nebenan.
Natürlich wussten wir schon vor unserer Reise, dass es Astrid Lindgrens Näs in Vimmerby gibt. Schließlich wurde Astrid Lindgren hier geboren und verbrachte hier ihre Kindheit.
Aber um ganz ehrlich zu sein: Auf unserer persönlichen Vimmerby-Liste stand Näs ziemlich weit hinten. Unser großes Ziel war Astrid Lindgrens Värld.
Näs? Wenn noch Zeit wäre, vielleicht!
Was für ein fataler Fehler das gewesen wäre!
Denn wenn etwas quasi direkt vor der Haustür liegt, kann man ja zumindest einmal hinüberschauen.
Also machten wir uns spontan auf den Weg.
Ein Ort, mit dem wir nicht gerechnet hatten
Schon als wir ankamen, waren wir beeindruckt. Vor uns öffnete sich eine wunderschöne, weitläufige Parklandschaft. Das Geburtshaus, das Museum, die Gärten und die gesamte Anlage wirkten irgendwie ganz besonders.
Eigentlich kann ich bis heute gar nicht richtig beschreiben, was dieser Ort ist. Museum? Gartenanlage? Erinnerungsort? Wahrscheinlich von allem ein bisschen.
Zu diesem Zeitpunkt konnten wir die eigentliche Anlage zwar nicht mehr besuchen, aber allein dieser erste Eindruck reichte aus, um unsere Meinung komplett zu ändern.
Und wir ahnten noch nicht, dass Astrid Lindgrens Näs für uns zu einem der Orte in Vimmerby werden würde, die wir auf keinen Fall hätten verpassen dürfen.
Eine kleine Pause im Bistro
Nachdem wir uns zumindest von außen einen ersten Eindruck von Astrid Lindgrens Näs verschafft hatten, landeten wir noch im dortigen Bistro. Wenn wir schon einmal hier waren, konnten wir schließlich auch gleich eine Kleinigkeit essen. 😉
Und natürlich blieb es nicht nur beim Essen.
Lotta entdeckte im Souvenirladen des Näs einen Schweinsbären – oder Teddy, wie er auch genannt wird. Natürlich war das nicht einfach nur irgendein Kuscheltier, sondern eine Figur aus Astrid Lindgrens Welt, besser gesagt aus der Geschichte "Lotta aus der Krachmacherstraße". Und irgendwie passte er gerade perfekt zu diesem Ort.
Also bekam Lotta von mir einen geschenkt.
Mit Google Maps über den Friedhof
Gut gestärkt und mit Lottas neuem Schweinsbären im Gepäck machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Stellplatz.
Dabei kamen wir am Friedhof von Vimmerby vorbei. Lotta hatte schon vorher den Wunsch geäußert, Astrid Lindgrens Grab zu besuchen. Und wenn wir nun sowieso direkt daran vorbeikamen, würden wir natürlich auch hineingehen.
Kurzerhand machten wir uns auf die Suche.
Nur: Wo genau findet man auf einem Friedhof das Grab von Astrid Lindgren?
Und so passierte etwas, das ich vorher vermutlich auch noch nie auf meiner Schwedenreise-Bingo-Karte stehen hatte:
Ich stand mit Google Maps mitten auf einem Friedhof. 😅
Ob wir nun lange oder eigentlich doch ziemlich kurz gesucht haben, lässt sich im Nachhinein schwer sagen. Aber schließlich war es Gerhard, der das Grab entdeckte.
Und plötzlich wurde aus unserem kleinen Suchabenteuer ein ganz stiller Moment.
Vor uns lag das Grab von Astrid Lindgren. Schlicht, unaufdringlich und ohne großes Drumherum.
Wir blieben eine Weile davor stehen. Irgendwie war es ein besonderes Gefühl, am Grab jener Frau zu stehen, deren Geschichten Gerhard und mich schon durch unsere Kindheit begleitet hatten – und deren Figuren heute genauso selbstverständlich zur Kindheit unserer Mädchen gehören.
Während wir dort standen, kamen bei uns Erwachsenen plötzlich Fragen auf. Fragen über Astrid Lindgren selbst, über ihr Leben und ihre Familie.
- Wie war Astrid Lindgren eigentlich als Mensch?
- Wie sah ihre eigene Kindheit hier in Vimmerby aus?
- Wie viel von ihr selbst steckt in Pippi, Michel, Ronja, Lotta und all den anderen Figuren?
- Und wie wurde aus dem Mädchen, das hier in Näs aufwuchs, eine der bekanntesten Kinderbuchautorinnen der Welt?
Eigentlich kannten wir ihre Geschichten schon unser ganzes Leben. Aber über die Frau, die all diese Geschichten geschrieben hatte, wussten wir erstaunlich wenig.
Auf dem Rückweg zur Kleinen Freiheit sprachen wir weiter darüber.
Und aus unserem ursprünglichen Gedanken, Astrid Lindgrens Näs vielleicht gar nicht richtig zu besuchen, wurde ziemlich schnell das genaue Gegenteil.
Wir wollten mehr über diese Frau erfahren.
Also machten wir es so, wie wir auf dieser Reise schon so vieles gemacht hatten: Wir änderten spontan unseren Plan.
Noch am selben Abend buchten wir eine Führung durch Astrid Lindgrens Näs – für übermorgen.
Wir wollten Antworten auf unsere Fragen.
Doch bevor wir mehr über die Frau hinter all diesen Geschichten erfahren würden, wartete am nächsten Morgen erst einmal etwas ganz anderes auf uns.
Etwas, auf das sich nicht nur Ronja und Lotta schon lange gefreut hatten. Denn wenn man mit Michel, Pippi, Ronja Räubertochter, Lotta aus der Krachmacherstraße und all den anderen Figuren aufgewachsen ist, dann ist man vermutlich nie wirklich zu alt dafür. 😉
Am nächsten Morgen mussten wir nur wenige Schritte von unserer Kleinen Freiheit bis zum Eingang gehen.
Und dann würden wir einen Ort betreten, auf den wir uns schon seit Beginn unserer Schwedenreise ganz besonders gefreut hatten.
Einen Ort, an dem Pippi plötzlich nicht mehr nur im Buch wohnt, Michel tatsächlich durch Lönneberga flitzt und man mitten hineinspazieren kann in all die Geschichten, die uns seit unserer Kindheit begleiten.
Morgen würden wir Astrid Lindgrens Geschichten nicht lesen und nicht im Fernsehen anschauen.
Wir würden mittendrin sein.
Astrid Lindgrens Värld – wir kommen!
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