Blog #11 – Katthult & Michel aus Lönneberga

Veröffentlicht am 25. August 2026 um 21:24

Katthult – wo liegt das eigentlich?

Katthult – diesen Namen kennt wahrscheinlich jeder, der mit Michel aus Lönneberga aufgewachsen ist. Aber wo liegt Katthult eigentlich?
Genau diese Frage stellte ich mir auch, als ich zu Hause die ersten Stationen unserer Schwedenreise plante. Also machte ich das, was man heutzutage eben macht: Ich öffnete Google Maps und tippte ganz selbstverständlich „Katthult“ ein.
Und tatsächlich – Google wusste sofort, wohin ich wollte. Schließlich ist der Hof heute so bekannt, dass er längst selbst zu einem Reiseziel geworden ist.
Nur liegt Katthult gar nicht dort, wo man es vielleicht zuerst vermuten würde.
Denn den Hof aus den bekannten Michel-Filmen findet man nicht in Lönneberga. Der echte Drehort liegt im kleinen Dorf Gibberyd bei Rumskulla, etwa 25 Kilometer von Vimmerby entfernt.
Katthult war ursprünglich der Name des Hofes in Astrid Lindgrens Geschichten. Als Anfang der 1970er-Jahre nach einem passenden Drehort für die Verfilmungen gesucht wurde, fiel die Wahl auf einen echten småländischen Bauernhof in Gibberyd. Rund 100 Höfe sollen zuvor angeschaut worden sein, bevor feststand: Dieser Hof sollte Katthult werden.

Und genau dorthin waren wir nun unterwegs.

Von unserem wunderschönen und ruhigen Kosta lagen rund 100 Kilometer vor uns. 100 Kilometer mitten durch Småland – und eine Strecke, bei der schon die Fahrt selbst irgendwie zum Erlebnis wurde.
Je weiter wir kamen, desto ursprünglicher wurde die Landschaft. Wir fuhren durch dichte Wälder und scheinbar unberührte Natur, vorbei an Wiesen, Seen und immer wieder diesen typisch schwedischen roten Holzhäuschen, die zwischen all dem Grün hervorschauten.
Gleichzeitig wurden die Straßen immer schmaler. Irgendwann so schmal, dass wir uns mit unserer Kleinen Freiheit zwischenzeitlich ernsthaft fragten: Sind wir hier eigentlich noch richtig?
Kilometer um Kilometer fuhren wir weiter – und weit und breit war niemand zu sehen. Kein Auto vor uns, keines hinter uns und auch keines, das uns entgegenkam. Nur wir, die schmale Straße und jede Menge schwedischer Wald.

Umso größer war unsere Freude auf den letzten fünf Kilometern, als uns plötzlich die ersten Camper entgegenkamen. 😄 Selten haben wir uns so darüber gefreut, andere Wohnmobile zu sehen. Für uns war sofort klar: Die können eigentlich nur von dort kommen, wo wir hinwollen. Wir sind also doch richtig!

Und irgendwo am Ende dieser kleinen Straße wartete etwas auf uns, das sich ganz anders anfühlte als die bisherigen Stationen unserer Reise.
Wir waren auf dem Weg zu einem Stück unserer Kindheit – zu einem kleinen blonden Jungen, dessen Geschichten inzwischen auch Ronja und Lotta nur allzu gut kannten.

Bei uns heißt er Michel. In Schweden heißt er Emil.

Moment mal – Emil?
Ja, denn in seiner schwedischen Heimat heißt unser Michel eigentlich Emil Svensson – genauer gesagt: Emil i Lönneberga.
Als Astrid Lindgrens Geschichten nach Deutschland kamen, war hier allerdings schon ein anderer Emil ziemlich berühmt: Emil aus Erich Kästners „Emil und die Detektive“. Um Verwechslungen zu vermeiden, bekam Astrid Lindgrens Emil für die deutsche Ausgabe deshalb einen neuen Namen.

Aus Emil wurde Michel.

Und auch wenn wir nun mitten in Schweden waren und hier natürlich überall von Emil die Rede war – für uns wird dieser kleine blonde Junge wohl immer Michel aus Lönneberga bleiben.
Für mich gehörte Michel schon als Kind einfach dazu. Ich habe diesen kleinen blonden Jungen geliebt – für seine Streiche, die manchmal eigentlich gar keine Streiche waren, für seine Ideen und ganz besonders für die Freiheit, mit der er auf Katthult aufwachsen durfte.
Michel war wild, neugierig und hatte ständig irgendeine Idee im Kopf. Und auch wenn diese Ideen für die Erwachsenen um ihn herum nicht immer ganz so genial waren wie für ihn selbst, steckte dahinter selten eine böse Absicht. Oft wollte er helfen, etwas ausprobieren oder verstand einfach nicht, warum etwas nicht gehen sollte.
Vielleicht mochte ich ihn gerade deshalb so sehr.
Und dann war da diese Freiheit, die für mich immer zu seinen Geschichten gehörte: draußen sein, entdecken, ausprobieren, Tiere um sich haben und auch mal etwas anstellen dürfen. Natürlich landete Michel danach regelmäßig im Tischlerschuppen – aber selbst dort machte er einfach weiter und schnitzte seine kleinen Holzmännchen.

Bei Gerhard war das übrigens ganz anders. Er lernte Michel erst als junger Erwachsener kennen. Während ich also mit seinen Geschichten aufgewachsen bin, kam Gerhard erst viel später nach Katthult.
Und irgendwann gehörte Michel dann zu uns beiden.
Aber natürlich war da nie nur Michel.
Da war seine kleine Schwester Ida, die wohl spätestens seit ihrem Ausflug an die Fahnenstange niemand mehr vergisst. Da waren Alfred und Lina, die genauso zu Katthult gehörten wie der Tischlerschuppen und das rote Wohnhaus. Und natürlich Krösa-Maja, deren Geschichten einem manchmal einen ordentlichen Schauer über den Rücken jagen konnten.
Da waren Michels Mutter Alma, die seine Streiche in ihren blauen Schreibheften festhielt, und sein Vater Anton, dessen verzweifeltes „Miiiiiichel!“ wahrscheinlich mindestens genauso berühmt geworden ist wie Michel selbst.
Sie alle zusammen machten Katthult zu diesem Ort, den wir aus den Geschichten und Filmen so gut zu kennen glaubten.

Und heute lieben auch Ronja und Lotta diese Geschichten. Sie kennen Michel und Ida, Alfred, Lina, Alma, Anton und all die anderen.
Wir fuhren nicht einfach zu einer Sehenswürdigkeit.

Wir fuhren an einen Ort, den wir alle längst aus Geschichten kannten.

Und plötzlich standen wir auf Katthult. 

Nach all den Kilometern durch die Wälder Smålands, den immer schmaler werdenden Straßen und unserer zwischenzeitlichen Frage, ob wir hier überhaupt noch richtig waren, erreichten wir schließlich Gibberyd.
Und wir waren definitiv richtig.
Auf Katthult war jede Menge los. Zahlreiche Besucher waren gekommen, um genau diesen Ort einmal mit eigenen Augen zu sehen. Eigentlich hätte man meinen können, dass bei so vielen Menschen von der Atmosphäre aus den Filmen nicht mehr viel übrig bleiben würde.

Aber genau das Gegenteil war der Fall.

Kaum standen wir auf dem Hof, waren sie plötzlich überall – diese Bilder, die man seit Jahren im Kopf hatte. Die roten Gebäude, der Hof, der Fahnenmast, der Tischlerschuppen …
Alles war irgendwie vertraut.
Und trotz der vielen Menschen hatte man beinahe das Gefühl, dass jeden Moment ein kleiner blonder Junge mit seiner Kappe irgendwo um die Ecke kommen könnte – vermutlich mit einer neuen Idee im Kopf, die für ihn natürlich überhaupt kein Streich war. 😄

Michel war natürlich nicht da. Und trotzdem war er irgendwie überall.

Irgendwann musste Gerhard unseren Rundgang leider abbrechen, weil es ihm nicht gut ging, und machte sich zurück auf den Weg zur Kleinen Freiheit.
Wir Mädels waren allerdings noch lange nicht fertig mit Katthult. Also drehten wir noch eine Runde und machten uns auf den Weg zum See.
Während wir dort entlangliefen, grübelte ich die ganze Zeit darüber nach, welche Szene hier wohl gedreht worden war. Ich war schließlich mit Michel aufgewachsen – das müsste ich doch wissen!
Die Antwort kam dann allerdings nicht von mir, sondern von Ronja. 😄

„Mama, hier ist Michel doch mit Alfred geschwommen!“

Na gut. Punkt für Ronja.
Und irgendwie musste ich darüber schmunzeln. Erst hatte ich meinen Kindern die Geschichten gezeigt, die ich selbst schon als Kind geliebt hatte – und nun stand ich mit ihnen am echten Drehort und meine Töchter erklärten mir, welche Szene genau hier gespielt hatte.
Auf dem Hof gab es außerdem zahlreiche Informationstafeln, an denen wir immer wieder hängen blieben. Dort erfuhren wir viel darüber, wie die Dreharbeiten damals abliefen und wie aus diesem echten småländischen Bauernhof das Katthult wurde, das später Millionen Menschen aus den Filmen kennenlernten.
Wir lasen, staunten und entdeckten dabei immer wieder Dinge, die wir vorher noch nicht gewusst hatten. Gerade weil der Hof bis heute so ursprünglich wirkt, war es unglaublich interessant zu erfahren, was hier während der Dreharbeiten alles passiert war.

Und natürlich konnten wir Katthult nicht verlassen, ohne noch im kleinen Shop vorbeizuschauen. Ein Erinnerungsstück musste schließlich mit nach Hause.
Na gut – es wurden zwei. 😄
Zwei Michel-Poster, die inzwischen bei uns zu Hause an der Wand hängen und uns jedes Mal ein kleines bisschen zurück nach Katthult bringen.

So nahmen wir am Ende nicht nur jede Menge Erinnerungen, sondern auch ein kleines Stück Michel mit nach Hause.

Irgendwann hieß es dann tatsächlich Abschied nehmen von Katthult.

Von dem Ort, den ich Monate zuvor bei unserer Reiseplanung noch ganz selbstverständlich bei Google Maps eingetippt hatte. Von dem kleinen Hof mitten in Småland, den wir alle längst zu kennen glaubten, obwohl wir vorher noch nie hier gewesen waren.
Jetzt hatten wir den Fahnenmast gesehen, waren im Tischlerschuppen gestanden, hatten die Wolfsfalle entdeckt, waren über die Weiden gelaufen und hatten am See überlegt, welche Szenen wohl genau hier entstanden waren.

Und dieses Gefühl, dass Michel jeden Moment irgendwo um die Ecke kommen könnte, nahmen wir irgendwie mit.

Zurück an unserer Kleinen Freiheit wartete Gerhard bereits auf uns und dann ging es weiter.

Endlich nach Vimmerby!

Spätestens jetzt waren wir endgültig mitten im Astrid-Lindgren-Land angekommen. Wir waren durch die Landschaft Smålands gefahren, hatten auf Katthult gestanden und waren durch die Welt von Michel gelaufen – und nun wartete der Ort auf uns, an dem Astrid Lindgren selbst geboren wurde und aufwuchs.

Das komplette Astrid-Lindgren-Gefühl war da. ❤️

Aber Vimmerby, Astrid Lindgren und all die Geschichten, die dort noch auf uns warteten, verdienen ihre ganz eigene Geschichte.

Deshalb sagen wir für heute:

Hej då, Katthult.

Und im nächsten Teil: Willkommen in Vimmerby – willkommen in der Welt von Astrid Lindgren.

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