#10 – Kosta: Glas, Wälder und ganz viel Småland

Veröffentlicht am 18. August 2026 um 23:22

Ankommen im Herzen Smålands

Mit vielen schönen Erinnerungen an Kollevik machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Kosta. Schon nach den ersten Kilometern merkten wir, wie sich die Landschaft langsam veränderte. Mit jeder Abbiegung unserer Kleinen Freiheit wurden die Straßen schmaler und führten sanft bergauf und bergab durch dichte, verwunschene Wälder.
Vor uns, hinter uns – kein Auto, kein Haus, kein Mensch. Nur wir, die unberührte Natur und das Gefühl, immer tiefer in das Herz Smålands einzutauchen. Die Ruhe war beeindruckend. Statt Verkehrslärm begleiteten uns das Zwitschern der Vögel und das sanfte Rauschen der Bäume.
Es war einer dieser Momente, in denen man das Radio lieber ausschaltet und einfach die Landschaft auf sich wirken lässt. Genau so hatten wir uns das schwedische Hinterland vorgestellt – ursprünglich, ruhig und voller Natur. Schon die Fahrt nach Kosta war ein Erlebnis für sich und ließ die Vorfreude auf die kommenden Tage mit jedem Kilometer wachsen.

Die Kosta Lodge – ein Ort zum Durchatmen

Schon bei der Ankunft merkten wir, dass die Kosta Lodge genau zu uns passte. Alles wirkte gepflegt, ruhig und entspannt – ein Ort, an dem man sofort abschalten konnte. Zwischen hohen Bäumen und viel Natur fühlten wir uns vom ersten Moment an wohl. Nachdem wir unseren Platz bezogen hatten, machten wir erst einmal eine kleine Erkundungsrunde. Schnell wurde klar, dass hier an alles gedacht worden war. Ein moderner Sanitärbereich mit sauberen Duschen und Toiletten, kostenlos nutzbare Waschmaschinen und Trockner sowie ein Fahrradverleih machten den Aufenthalt besonders angenehm. Direkt auf dem Gelände befanden sich außerdem ein kleiner Angel See und das angrenzende Hotel, dessen beheizter Pool und Sauna auch von Campinggästen genutzt werden konnten.
Trotz der guten Ausstattung blieb die Atmosphäre angenehm ruhig. Wer Erholung suchte, fand sie auf dem Stellplatz. Und wer etwas mehr Trubel erleben wollte, konnte in wenigen Minuten zu Fuß den Ort Kosta mit seinen Geschäften und Sehenswürdigkeiten erreichen. Genau diese Kombination gefiel uns besonders.
Eigentlich hatten wir nur zwei Übernachtungen inklusive eines schwedischen Frühstücksbuffets gebucht. Doch schon nach kurzer Zeit waren wir uns einig: Hier möchten wir noch nicht weiterfahren. Kurzerhand verlängerten wir unseren Aufenthalt um eine weitere Nacht – eine Entscheidung, die wir keine Sekunde bereut haben.

Ein entspannter Sonntag im Kosta Outlet

Nachdem wir uns auf unserem Stellplatz eingerichtet hatten, machten wir uns auf den Weg ins Kosta Outlet. Schon nach den ersten Schritten wurde klar, dass hier weit mehr als nur ein gewöhnliches Einkaufszentrum auf uns wartete. Zwischen bekannten schwedischen Marken, kleinen Geschäften und der berühmten Glaskunst gab es überall etwas zu entdecken. Natürlich begegnete uns in Kosta auch das, wofür der Ort weit über die Grenzen Schwedens hinaus bekannt ist: Glas in allen Formen und Farben. Im Outlet und im Glasbläsershop gab es unzählige Kunstwerke zu bestaunen – von schlichten Gläsern bis hin zu außergewöhnlichen, farbenfrohen Stücken, bei denen wir uns teilweise fragten, wie man so etwas überhaupt aus Glas herstellen kann.

Eine Glasbläserei bei der Arbeit anzuschauen, hätte natürlich gut zu unserem Besuch in Kosta gepasst. Aber ganz ehrlich: Das Interesse der Mädels daran war einfach noch nicht groß genug. Und nur weil etwas zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten eines Ortes gehört, müssen wir es nicht unbedingt auf unsere Urlaubsliste setzen.
Also bestaunten wir die fertigen Kunstwerke lieber im Shop und im Outlet – und das war für uns vollkommen ausreichend. Vielleicht kommen wir eines Tages wieder und schauen den Glasbläsern tatsächlich bei ihrer Arbeit über die Schulter. Dieses Mal durfte Kosta uns seine Glaskunst eben auf eine andere Art zeigen.
Für uns war es ein ungewohntes Gefühl, ausgerechnet an einem Sonntag ganz entspannt durch die Geschäfte zu bummeln. In Österreich sind wir es gewohnt, dass sonntags fast alle Läden geschlossen sind. Umso mehr genossen wir diesen entspannten Einkaufsbummel, ganz ohne Zeitdruck und Hektik.
Eigentlich wollten wir uns nur ein wenig umsehen. Doch wie so oft blieb es nicht beim Schauen. Natürlich durften auch ein paar typisch schwedische Kleidungsstücke und Souvenirs mit in unsere Kleine Freiheit. Eine schöne Erinnerung an unseren Aufenthalt in Småland.

Am Abend ließen wir den Tag gemütlich auf unserem Stellplatz ausklingen. Während auf dem Grill das Abendessen brutzelte und wir gemeinsam zusammensaßen, wurde uns wieder bewusst, wie wenig es manchmal braucht, um einen Urlaubstag perfekt zu machen. Die Ruhe, die Natur und die entspannte Atmosphäre der Kosta Lodge machten diesen Abend zu einem dieser Urlaubsmomente, für die es eigentlich gar nicht viel braucht.

Ein typisch schwedischer Start in den Tag

Am nächsten Morgen ließen wir uns das gebuchte Frühstücksbuffet im Hotel nicht entgehen. Schon beim Betreten des Frühstücksraums fiel uns die große Auswahl auf. Neben frischem Brot, verschiedenen Käsesorten und vielen weiteren schwedischen Spezialitäten durften natürlich auch cremiger Haferbrei und die leckere Blaubeermarmelade nicht fehlen.
Wir ließen uns Zeit, genossen unser Frühstück und schmiedeten Pläne für den Tag.

Gut gestärkt machten wir uns anschließend auf den Weg zum Grönåsens Älgpark, auf den wir uns schon sehr gefreut hatten.
Bei der Auswahl des Elchparks hatten wir uns ganz bewusst für den Grönåsens Älgpark entschieden. Wir wollten keinen Park besuchen, in dem man die Tiere nur vom Traktor oder Auto aus beobachtet. Stattdessen suchten wir einen Ort, an dem wir die Tiere zu Fuß und in aller Ruhe erleben konnten.
Schon nach kurzer Zeit standen wir den Elchen nah gegenüber. Es war ein besonderes Gefühl, diese beeindruckenden Tiere einmal aus nächster Nähe zu sehen. Ihre Größe, ihre Gelassenheit und die Ruhe, die sie ausstrahlten, haben uns tief beeindruckt. Für uns alle war das einer der schönsten Momente unserer Schwedenreise.
Neben den Elchen lebten im Park auch Damwild sowie verschiedene Kleintiere wie Ziegen, Hasen und Hühner mit ihren stolzen Hähnen. Gerade diese Mischung machte den Park zu einem schönen Ausflugsziel für die ganze Familie. Die Kinder hatten viel Freude daran, die Tiere zu beobachten, und wir konnten uns für alles die Zeit nehmen, die wir wollten.
Ein besonderes Erlebnis war, dass wir dem Besitzer Dirk bei der Fütterung der Tiere über die Schulter schauen durften. Gespannt warteten wir darauf, dass die Elche zum Futterplatz kommen würden. Doch an diesem warmen Sommertag hatten die Tiere offenbar ihren ganz eigenen Kopf und ließen sich zunächst nicht blicken.
Nach einer Weile zahlte sich unsere Geduld jedoch aus. Ganz gemütlich kamen die Elche schließlich aus dem Wald und spazierten in aller Ruhe zum Futterplatz. Gerade weil nichts erzwungen wurde und die Tiere selbst entschieden, wann sie erscheinen wollten, wirkte das Erlebnis besonders natürlich und authentisch.
Der gesamte Park war liebevoll gestaltet. Überall standen Informationstafeln, auf denen wir viel Wissenswertes über Elche und die anderen Tiere erfuhren. Mehrere Aussichtstürme ermöglichten immer wieder neue Perspektiven auf die weitläufigen Gehege und machten den Rundweg abwechslungsreich. Für Ronja und Lotta waren die Türme natürlich ein zusätzliches kleines Abenteuer – jedes Mal wurde neugierig hinaufgeklettert, um Ausschau nach den nächsten Tieren zu halten.
Als wir den Park wieder verließen, waren wir uns einig: Genau so hatten wir uns einen Besuch bei den schwedischen Elchen vorgestellt – naturnah, entschleunigt und mit vielen unvergesslichen Begegnungen.

Zurück auf dem Stellplatz gönnten wir uns am Nachmittag etwas, das wir bisher auf unserer Schwedenreise noch gar nicht gemacht hatten: unseren ersten Mittagsschlaf. Die Ruhe der Kosta Lodge lud einfach dazu ein, einmal die Seele baumeln zu lassen.
Am späten Nachmittag schnürten wir noch einmal unsere Wanderschuhe und machten uns auf den Weg zu einem nahegelegenen See. Der Weg führte zunächst durch die Wälder Smålands und bescherte uns eine Begegnung, auf die ich gut hätte verzichten können: Eine Blindschleiche kreuzte unseren Weg. Während Gerhard ganz gelassen blieb und sie sogar neugierig beobachtete, war für mich sofort klar: Schlangen – oder auch nur etwas, das wie eine Schlange aussieht – sind absolut nicht mein Fall. Der Rückweg durch den Wald war damit für mich erledigt. Also ging es zurück zur Kleinen Freiheit, diesmal lieber über die Straße.

Den Tag ließen wir schließlich gemütlich ausklingen. Zum Abendbrot probierten wir den frisch gekauften Elchschinken. Ehrlich gesagt waren wir neugierig, wie er wohl schmecken würde – und wir wurden nicht enttäuscht. Er war unglaublich lecker und rundete diesen typisch schwedischen Tag perfekt ab.

Ein Tag, an dem einfach mal nichts passieren musste

Und dann kam unser zusätzlicher Tag in Kosta – und mit ihm etwas, das auf unserer Reise bisher eindeutig zu kurz gekommen war: einfach mal nichts tun.
Kein Ausflugsziel wartete auf uns, keine Sehenswürdigkeit musste besichtigt werden und die Kleine Freiheit durfte für einen ganzen Tag einfach auf ihrem Stellplatz stehen bleiben.
Stattdessen nutzten wir die kostenlosen Waschmaschinen und erklärten einen Teil des Tages kurzerhand zum Waschtag. Denn so romantisch mehrere Wochen mit dem Wohnmobil durch Schweden auch klingen – irgendwann meldet sich ganz unspektakulär der Wäscheberg. 😄
Während Waschmaschine und Trockner für uns arbeiteten, machten wir es uns gemütlich. Wir spielten, ruhten uns aus, schliefen eine Runde und faulenzten einfach vor uns hin. Kein Programm, kein Zeitplan und vor allem kein „Wir müssen jetzt los“.
Ganz untätig blieben wir dann aber doch nicht. Rund um uns herum entdeckten wir Blaubeeren in Hülle und Fülle. 🫐 Überall zwischen den Bäumen leuchteten die kleinen blauen Beeren hervor – da konnten wir natürlich nicht einfach vorbeigehen.
Und für uns war das gleich doppelt schön, denn Blaubeeren gehören zu den Früchten, die Ronja verträgt. Also wurde fleißig gesammelt und natürlich auch direkt genascht. Für andere vielleicht nur ein paar Beeren am Wegesrand – für uns ein kleines Stück Freiheit und ein ganz besonderer Genuss mitten in Småland.

Solche kleinen, ungeplanten Momente sind es, die uns auf dieser Reise immer wieder glücklich gemacht haben. Keine große Sehenswürdigkeit, kein Eintritt und kein festes Programm – nur wir, der schwedische Wald und jede Menge Blaubeeren. 🫐💙
Und wisst ihr was? Dieser Tag tat richtig gut.
Gerade auf einer Reise, auf der es jeden Tag so viel Neues zu sehen und zu erleben gibt, vergisst man manchmal, dass Urlaub auch genau das sein darf: ausschlafen, zusammensitzen, spielen, Blaubeeren sammeln und einfach einmal in den Tag hineinleben.

Wir hatten Zeit füreinander, konnten die vielen Eindrücke der vergangenen Tage ein bisschen sacken lassen und genossen noch einmal ganz bewusst die Ruhe der Kosta Lodge.
Manchmal ist Nichtstun eben auch ein Abenteuer – und manchmal findet man dabei sogar eine Handvoll Blaubeeren. 🫐💙
Und eigentlich hätte niemand diesen Tag besser zusammenfassen können als Astrid Lindgren:

„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.“

Genau das hatten wir getan.
Am nächsten Morgen war es allerdings vorbei mit dem Dasitzen und Vor-uns-hin-Schauen. Die Kleine Freiheit wurde wieder reisefertig gemacht und wir verließen Kosta.
Dass ausgerechnet Astrid Lindgren diesen Blog gedanklich abschließt, könnte kaum besser passen. Denn unser nächstes Ziel führte uns mitten hinein in eine ihrer wohl bekanntesten Geschichten.

Zu einem kleinen blonden Jungen, der so manchen Unfug im Kopf hatte und den wir in Österreich und Deutschland unter einem anderen Namen kennen als die Schweden. 😉

Hej då, Kosta – Katthult, wir kommen! 🇸🇪❤️

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