Eigentlich waren wir auf direktem Weg nach Kollevik. Ein Zwischenstopp in Åhus stand jedoch gar nicht auf unserem Plan. Doch manchmal reicht ein einziger Moment aus, um alle Pläne über den Haufen zu werfen.
Schon bei der Durchfahrt fiel uns die wunderschöne „S:ta Maria kyrka“ ins Auge. Kurz darauf entdeckten wir eine kleine, gemütliche Bäckerei. Ein kurzer Blick genügte – wir sahen uns an und wussten: Hier müssen wir anhalten.
Kurzerhand parkten wir unsere Kleine Freiheit und machten uns zu Fuß auf den Weg durch den Ort. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass uns Åhus mit seinem besonderen Charme und einigen unerwarteten Entdeckungen überraschen würde.
Unser erster Weg führte uns direkt in die kleine Bäckerei, die uns schon bei der Durchfahrt aufgefallen war. Eigentlich wollten wir dort nur einen kleinen Snack für die Mittagspause kaufen. Während wir die Auslage betrachteten, fragte ich nach, ob es auch ein Brot ohne Zucker gäbe. Die Verkäuferin fragte daraufhin den Bäcker, der ohne zu zögern auf zwei der gefühlt fünfzehn Brote zeigte. Genau diese beiden Brote wurden tatsächlich ohne Zucker gebacken. Für uns war das eine echte Überraschung, denn unterwegs ein passendes Brot zu finden, ist alles andere als selbstverständlich. Natürlich durfte eines dieser Brote mit in unsere Kleine Freiheit. Gerade auf Reisen sind es oft diese kleinen Entdeckungen, die den Alltag ein Stück leichter machen.
Während wir unseren Snack genossen, bekamen wir am Nachbartisch zufällig ein Gespräch mit. Dort unterhielten sich einige Gäste über einen Schnapsladen im Ort. Sofort wurde ich neugierig – nicht etwa, weil ich eine besondere Vorliebe für Alkohol habe, sondern weil ich in der Gastronomie arbeite und mich die Geschichten hinter regionalen Produkten schon immer interessiert haben.
Also zückte ich mein Handy und recherchierte kurz, worüber die Gäste gesprochen hatten. Dabei machte ich eine spannende Entdeckung: Der weltweit bekannte Absolut Vodka stammt tatsächlich aus Åhus und wird bis heute dort produziert.
Die Geschichte des Absolut Vodkas reicht bis ins Jahr 1879 zurück. Damals entwickelte der schwedische Unternehmer Lars Olsson Smith ein besonders reines Destillationsverfahren, das als Grundlage für die heutige Marke gilt. Bis heute werden für die Herstellung ausschließlich Winterweizen aus der Region und Wasser aus einer tiefen Quelle rund um Åhus verwendet. Dass eine der bekanntesten Vodkamarken der Welt ihre Wurzeln in diesem kleinen, idyllischen Küstenort hat, hat uns wirklich überrascht.
Nach unserem Besuch in der Bäckerei ließen wir uns ohne festes Ziel durch Åhus treiben. Schon von außen hatte uns die „S:ta Maria kyrka“ beeindruckt – nun wollten wir sie auch von innen entdecken.
Schon beim Betreten spürten wir die besondere Ruhe und die einzigartige Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen Ortes. Die Kirche stammt aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und zählt zu den ältesten Bauwerken der Region. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrfach erweitert und umgebaut, sodass heute romanische und gotische Elemente harmonisch miteinander verschmelzen.
Besonders beeindruckte uns die große Orgel. Hinter ihrer eleganten Fassade im gustavianischen Stil verbirgt sich ein modernes Orgelwerk mit 42 Registern, das 1998 vollständig erneuert wurde. Die Verbindung aus historischer Optik und moderner Technik macht sie zu einem ganz besonderen Blickfang. Obwohl die Kirche an diesem Tag ganz still war, konnte man sich gut vorstellen, wie eindrucksvoll ihr Klang den gesamten Kirchenraum erfüllt.
Anschließend schlenderten wir über den liebevoll gestalteten Marktplatz, vorbei an einem Stück der alten Stadtmauer, der bekannten Absolut-Vodka-Destillerie und schließlich hinunter zum kleinen Hafen. Die Boote schaukelten sanft im Wasser, Möwen kreisten über den Stegen und überall herrschte eine entspannte Urlaubsstimmung. Åhus überraschte uns an jeder Ecke mit seinem besonderen Charme. Aus einem ungeplanten Zwischenstopp war längst ein echtes Urlaubserlebnis geworden.
Schließlich machten wir uns wieder auf den Rückweg zu unserer Kleinen Freiheit. So gerne wir noch länger durch Åhus gebummelt wären – unser eigentliches Tagesziel wartete schließlich noch auf uns: Kollevik.
Mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck setzten wir unsere Reise fort.
Schon während der Fahrt sprachen wir immer wieder darüber, wie schön dieser spontane Zwischenstopp gewesen war. Åhus hatte uns völlig unerwartet begeistert – und wir waren gespannt, ob Kollevik dieses Gefühl noch toppen könnte.
Nach gut einer Stunde erreichten wir schließlich Kollevik. Schon bei der Einfahrt wussten wir, dass sich unsere spontane Routenänderung gelohnt hatte. Zwischen den glatten Granitfelsen, den kleinen Schären und dem glitzernden Wasser fühlte sich dieser Ort sofort besonders an. Genau so hatten wir uns Schweden immer vorgestellt.
Nachdem wir unseren Stellplatz bezogen hatten, machten wir uns erst einmal mit dem Campingplatz vertraut. Die großzügige Anlage ließ keine Wünsche offen. Ein modernes Waschhaus mit Familien- und Einzelduschen, eine Gemeinschaftsküche mit Kochplatten, Backöfen und sogar einem Fernseher, ein schöner Spielplatz sowie ein Minigolfplatz sorgten dafür, dass man sich hier sofort wohlfühlte. Die Kinder waren natürlich sofort begeistert, denn sie konnten kostenlos Fahrräder und Kettcars ausleihen und den Platz auf eigene Faust erkunden.
Zwischen all dem Komfort blieb die Natur trotzdem allgegenwärtig. Riesige Granitfelsen ragten überall aus dem Boden hervor und der gesamte Campingplatz war harmonisch um sie herum angelegt. Genau diese Verbindung aus moderner Ausstattung und ursprünglicher Landschaft machte Kollevik für uns vom ersten Moment an zu etwas ganz Besonderem.
Unser erster Spaziergang führte uns zum kleinen Café auf dem Campingplatz. Dort gönnten wir uns ein Eis, eine gemütliche Fika und probierten zum ersten Mal eine schwedische Punschrolle. Es sind genau diese kleinen Genussmomente, die für uns einfach zu einem Urlaub in Schweden dazugehören.
Nach dem Abendessen zog es uns gemeinsam mit Libby hinaus auf die Schären. Am Vortag hatte sie uns noch einen kleinen Schrecken eingejagt, nachdem sie viel zu viel Meerwasser getrunken hatte. Zum Glück hatte sie sich inzwischen gut erholt und genoss den Spaziergang sichtlich.
Ronja und Lotta waren kaum zu bremsen. Mit einer Leichtigkeit kletterten sie über die warmen Granitfelsen, als wären sie zwei kleine Bergziegen. Während die Sonne langsam tiefer sank und die Schären in ein warmes Licht tauchte, wussten wir: Genau wegen solcher Momente hatten wir uns auf diese Reise gefreut.
Am nächsten Morgen hieß es für uns schon wieder Abschied nehmen. Auch wenn wir nur eine Nacht in Kollevik verbracht hatten, fühlte sich dieser Ort sofort besonders an. Beim Frühstück waren wir uns schnell einig: Warum hatten wir unsere Route nicht gleich so geplant?
Mit einem Lächeln stiegen wir wieder in unsere Kleine Freiheit und machten uns auf den Weg nach Kosta – dankbar für einen Zwischenstopp, den wir ganz sicher nicht vergessen werden.
Kollevik hat uns einmal mehr gezeigt, dass die schönsten Reiseerinnerungen oft genau dort entstehen, wo man den ursprünglichen Plan loslässt und sich einfach auf das Abenteuer einlässt. Mit diesem Gefühl machten wir uns auf den Weg nach Kosta – gespannt darauf, welche Erlebnisse dort schon auf uns warteten.
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